FRÜHE DIAGNOSE, BESTE CHANCEN

Urologische Vorsorge für Frauen und Männer

Die meisten Erkrankungen der Harnwege machen sich erst spät bemerkbar — und genau das macht die urologische Vorsorge so wertvoll. In einem Termin klären wir, ob Nieren, Blase, Harnwege und, bei Männern, Prostata und Hoden unauffällig sind. Sie erfahren nicht nur, ob alles in Ordnung ist, sondern auch, worauf Sie in den kommenden Jahren achten sollten.

Was urologische Vorsorge leisten soll

Ziel der urologischen Vorsorge ist es, Erkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege früh zu erkennen. Dazu gehört die gezielte Abklärung bösartiger Veränderungen an Blase, Niere und, beim Mann, an Prostata und Hoden — allerdings nicht als Reihenuntersuchung, sondern dann, wenn Risikofaktoren, Beschwerden oder auffällige Befunde dafür sprechen. Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto schonender und aussichtsreicher lässt er sich behandeln.

Wichtig zur Einordnung: Für Blasen- und Nierenkrebs gibt es kein bevölkerungsweites Vorsorgeprogramm, weil sich ein Nutzen einer Reihenuntersuchung bei beschwerdefreien Menschen bisher nicht belegen lässt. Sinnvoll ist die Untersuchung dort, wo ein konkreter Anlass besteht — etwa Blut im Harn, langjähriges Rauchen, beruflicher Kontakt mit aromatischen Aminen oder ein auffälliger Ultraschallbefund.

Die Vorsorge deckt aber deutlich mehr ab als die Krebsfrüherkennung. Unsere Urologinnen und Urologen erkennen dabei regelmäßig Befunde, die noch keine Beschwerden verursachen, aber langfristig Probleme machen: stumme Nierensteine, Restharn durch eine beginnende Blasenentleerungsstörung, eine eingeschränkte Nierenfunktion, ein unbemerkter Harnwegsinfekt oder eine beginnende Beckenbodenschwäche.

Ein weiterer Punkt wird oft unterschätzt: Der Vorsorgetermin ist der geeignete Rahmen, um Beschwerden anzusprechen, die man sonst nicht zum Anlass für einen Arztbesuch nimmt — häufiges nächtliches Harnlassen, gelegentlicher Harnverlust, ein schwächer gewordener Harnstrahl oder Veränderungen der Sexualfunktion. Nichts davon ist ein zwangsläufiger Teil des Älterwerdens.

Ablauf der Vorsorgeuntersuchung bei uns

  • Ausführliche Anamnese — aktuelle Beschwerden, Trink- und Harngewohnheiten, Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente, familiäre Belastung mit Tumorerkrankungen, Rauchgewohnheiten und berufliche Belastungen.
  • Klinische Untersuchung — je nach Fragestellung als Ganzkörperuntersuchung, bei Männern einschließlich Untersuchung von Hoden und, wenn indiziert, der Prostata.
  • Harnanalyse — Teststreifen und Mikroskopie auf Blut, Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Nitrit, Eiweiß und Zucker; bei Auffälligkeiten ergänzen wir eine Harnkultur.
  • Laboruntersuchung — Nierenwerte (Kreatinin, eGFR), Elektrolyte, Entzündungsparameter und, nach Beratung, beim Mann der PSA-Wert.
  • Sonografie von Niere und Blase — Beurteilung von Größe, Struktur, Harnstau, Steinen und Raumforderungen; die Blase wird gefüllt und nach dem Harnlassen beurteilt.
  • Restharnkontrolle — Messung der in der Blase verbleibenden Harnmenge als wichtiger Hinweis auf Blasenentleerungsstörungen.
  • Ausführliches t herapeutisches Gespräch — Einordnung aller Befunde, konkrete Empfehlungen und, falls nötig, Planung der weiteren Diagnostik.

Vorsorge bei der Frau

Bei Frauen empfehlen wir die urologische Vorsorge ab dem 40. Lebensjahr, bei Risikogruppen früher. Als Risikofaktoren gelten unter anderem Rauchen, wiederkehrende Harnwegsinfekte, bekannte Nierensteine, Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen in der Familie, eine frühere Bestrahlung im Beckenbereich sowie eine Chemotherapie mit blasenschädigenden Substanzen.

Der Untersuchungsumfang lässt sich individuell erweitern:

  • Ausführliche urogynäkologische Untersuchung, insbesondere bei Senkungsgefühl, Druck nach unten oder Beschwerden beim Harnlassen
  • Beckenbodenfunktionsdiagnostik zur objektiven Beurteilung von Kraft, Ausdauer und Koordination der Beckenbodenmuskulatur
  • Flow-EMG und Uroflowmetrie zur Messung von Harnstrahl und Zusammenspiel zwischen Blase und Beckenboden
  • Inkontinenzabklärung mit Miktionstagebuch und, je nach Befund, Einleitung einer konservativen oder operativen Therapie
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei sichtbarem oder wiederholt nachgewiesenem Blut im Harn, bei hartnäckigen Beschwerden oder auffälligem Ultraschall
  • Diagnostik und Therapie von Sexualfunktionsstörungen, etwa bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Beschwerden im Rahmen der hormonellen Umstellung

Nach der Menopause verändert sich das Gewebe von Harnröhre und Scheide durch den Östrogenmangel. Das begünstigt Infekte, Drangbeschwerden und Trockenheit. Diese Zusammenhänge sprechen wir im Vorsorgegespräch aktiv an, weil sich hier mit einfachen Mitteln viel erreichen lässt.

Vorsorge beim Mann

Woman & Health ist auf Frauengesundheit spezialisiert — in der Urologie behandeln wir ausdrücklich auch männliche Patienten, und die Männervorsorge ist ein fester Bestandteil unseres Angebots. Wir empfehlen sie ab dem 45. Lebensjahr, bei Prostatakrebs in der Familie oder bekannten genetischen Risikofaktoren bereits ab 40.

Untersucht werden:

  • Prostata — Tastuntersuchung, Ultraschall und Beurteilung der Größe; bei Beschwerden ergänzt durch Uroflowmetrie und Restharnmessung zur Abklärung eines benignen Prostatasyndroms (BPS, gutartige Prostatavergrößerung mit Beschwerden beim Harnlassen)
  • Hoden — Tastuntersuchung und bei Bedarf Ultraschall; Hodenkrebs betrifft vor allem jüngere Männer zwischen 20 und 40 Jahren, weshalb wir die Selbstuntersuchung bereits in diesem Alter empfehlen
  • Blase — Sonografie, Restharnkontrolle und Harnanalyse zum Ausschluss von Tumoren, Steinen und Entleerungsstörungen
  • Nieren — Sonografie und Laborwerte, auch zum Ausschluss stummer Nierensteine, die häufig als Zufallsbefund entdeckt werden

Zum PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) beraten wir ergebnisoffen. Der Wert ist ein nützlicher, aber kein eindeutiger Marker: Er kann auch bei gutartiger Vergrößerung, nach einer Entzündung, nach dem Radfahren oder nach Geschlechtsverkehr erhöht sein. Umgekehrt schließt ein normaler Wert einen Tumor nicht vollständig aus. Deshalb interpretieren wir den PSA-Wert immer im Zusammenhang mit Tastbefund, Prostatavolumen, Alter, Vorwerten und Verlauf — und besprechen vorab mit Ihnen, welche Konsequenzen ein auffälliges Ergebnis hätte.

Wann Vorsorge nicht warten sollte

Unabhängig vom Alter und vom letzten Kontrolltermin sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren bei:

  • sichtbarem Blut im Harn, auch wenn es nur einmalig auftritt und keine Schmerzen verursacht
  • ungewollter Gewichtsabnahme, anhaltenden Flankenschmerzen oder tastbaren Knoten im Hodenbereich
  • deutlich schwächerem Harnstrahl, Nachträufeln, Startverzögerung oder dem Gefühl, die Blase nicht zu entleeren
  • neu aufgetretenem nächtlichem Harnlassen mehr als zweimal pro Nacht
  • Harnverlust, der Ihren Alltag einschränkt
  • wiederholten Harnwegsinfekten innerhalb weniger Monate

Schmerzloses Blut im Harn ist dabei das wichtigste Alarmsignal: Es kann harmlose Ursachen haben, ist aber auch ein häufiges Erstsymptom des Blasenkarzinoms und gehört immer abgeklärt.

Wie oft ist Vorsorge sinnvoll?

Bei unauffälligem Erstbefund und geringem Risikoprofil ist ein jährliches Intervall ein guter Richtwert; in Einzelfällen genügen zwei Jahre. Engmaschiger kontrollieren wir bei:

  • Raucherinnen und Rauchern sowie bei beruflicher Exposition gegenüber aromatischen Aminen (etwa in der Farb-, Lack- oder Gummiverarbeitung)
  • bekannten Nierensteinen oder Steinbildung in der Vorgeschichte
  • eingeschränkter Nierenfunktion oder Diabetes mellitus
  • familiärer Häufung von Prostata-, Nieren- oder Blasenkrebs
  • Zustand nach onkologischer Behandlung im Bereich der Harnwege

Für die onkologische Nachsorge nach einer Tumorbehandlung gelten eigene, deutlich engere Kontrollpläne. Diese stimmen unsere Fachärztinnen und Fachärzte für Urologie individuell mit Ihnen und den behandelnden Zentren ab.

Was Sie zum Termin mitbringen sollten

  • Befunde früherer Untersuchungen, insbesondere Vorwerte von PSA, Kreatinin und Bildgebung
  • eine aktuelle Liste Ihrer Medikamente, auch pflanzlicher Präparate und Nahrungsergänzungsmittel
  • Arztbriefe, falls Operationen an Nieren, Blase oder Genitale stattgefunden haben
  • eine mäßig gefüllte Blase, damit Ultraschall und Restharnmessung ohne Wartezeit möglich sind
  • bei Beschwerden beim Harnlassen ein über zwei bis drei Tage geführtes Miktionstagebuch

Wenn Sie am Untersuchungstag Ihren Harn nicht halten können, ist das kein Problem — wir planen die Reihenfolge der Untersuchungen einfach um.

Häufige Fragen

Die Basisuntersuchungen — Harnprobe, Ultraschall, Restharnmessung, Blutabnahme — sind schmerzfrei und dauern zusammen wenige Minuten. Die Tastuntersuchung der Prostata beim Mann ist kurz und wird von den meisten Patienten als unangenehm, aber nicht schmerzhaft beschrieben. Eine Betäubung ist für keine dieser Untersuchungen nötig.

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